Veröffentlichung der neuen DIN 4108-4:2017-03

Im März 2017 wurde die neue Bemessungsnorm DIN 4108-4, Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte, vom Beuth–Verlag veröffentlicht. Immer wieder erreichen uns Anfragen, ob die neue Ausgabe der Norm schon gültig ist, welche Ausgabe im Moment für wärmeschutztechnische Nachweise herangezogen werden muss oder soll und ob zukünftig auf dem Etikett noch der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit angegeben wird?

Warum wurde die DIN 4108-4 überarbeitet?

Nach dem EuGH-Urteil C-100/13 vom 16. Oktober 2014 müssen eine ganze Reihe von Gesetzen und Verwaltungsvorschriften an geltendes europäisches Recht angepasst werden, unter anderem die Bauregelliste des DIBt und die Landesbauordnungen (LBO). Eine den Landesbauordnungen zugrundeliegende Bemessungsnorm ist die DIN 4108-4, die in der alten Ausgabe 2013-02 noch in Tabelle 2 Kategorie II den Grenzwert der Wärmeleitfähigkeit zur Berechnung des Bemessungswerts der Wärmeleitfähigkeit vorsieht. Da dieser Grenzwert der Wärmeleitfähigkeit in den europäischen Dämmstoffnormen nicht vorkommt oder definiert ist und somit nicht EU rechtskonform ist, musste die DIN 4108-4 angepasst und überarbeitet werden.

Was wurde geändert?

In Zukunft gibt es in Tabelle 2, Wärmedämmstoffe nach harmonisierten Europäischen Normen, nur noch den in den EN-Normen definierten Nennwert der Wärmeleitfähigkeit λD, der auf den λ90/90-Werten der Hersteller beruht. Auf den λD–Wert wird ein für jede Stoffgruppe einheitlicher Zuschlag nach der untenstehenden Tabelle aufgeschlagen, um zum Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit zu kommen. Den neuen Zuschlägen liegen umfangreiche Studien und Auswertungen mehrerer Fremdüberwacher von insgesamt mehr als 10.000 Messwerten verschiedener Hersteller zugrunde.

Wärmedämmstoffe nach harmonisierten Europäischen Normen

Welche Ausgabe der DIN 4108-4 gilt nun?

Da im Moment die Landesbauordnungen bis auf eine Ausnahme (Sachsen- Anhalt) und die Musterverwaltungsvorschrift Technisches Bauen (MVVTB) noch nicht geändert bzw. eingeführt sind, gelten weiterhin die alten Landesbauordnungen, die sich noch auf die Liste der technischen Baubestimmungen des DIBt und die DIN 4108-4:2013-02 beziehen.
Damit sind formal weiterhin die Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit gültig, die nach DIN 4108-4:2013-02 Tabelle 2 Kategorie II ermittelt wurden. Die meisten Hersteller verfügen derzeit noch über eine gültige Zulassung aus der Z-23.15 er Reihe und ein Übereinstimmungszertifikat, das vor dem 16. Oktober 2016 ausgestellt wurde, um dem Planer, Bauunternehmer, Bauherrn oder der obersten Bauaufsicht die momentan geltenden Bemessungswerte nachweisen zu können. Das setzt allerdings voraus, dass die Hersteller, nach der ergänzenden Stellungnahme des DIBt vom 17.12.2015 alle Regelungen zur Eigen- und Fremdüberwachung einhalten. Dazu stellt das FIW München Herstellern, die die Fremdüberwachung uneingeschränkt weiterführen und die Anforderungen der Zulassungen zur Eigenüberwachung erfüllen, entsprechende Bestätigungen aus. Diese können auch von Planern, Bauunternehmern, Bauherren oder der Bauaufsicht vom Hersteller angefordert werden.

Wie kann der bauaufsichtliche Verwendbarkeitsnachweis aussehen, wenn Zulassungen nicht mehr gültig sind?

Schwieriger wird der Nachweis der Bemessungswerte, wenn im Sommer 2017 die Gültigkeit einiger Zulassungen aus der Z-23.15er Reihe ausläuft, bevor die LBOen und die VVTB eingeführt sind. Dann kann der Planer oder Bauunternehmer auf freiwillige Herstellerangaben zurückgreifen, die er in Form einer „prüffähigen technischen Dokumentation“ der Bauaufsicht oder dem Bauherrn vorlegt. Hierzu heißt es in den Vollzugshinweisen zum EuGH-Urteil C-100/13 des Landes Bayern vom 14. Oktober 2016: „Freiwillige Leistungsangaben sind regelmäßig anzuerkennen, falls die Drittprüfung von einer anerkannten Prüfstelle nach Art. 43 BauPVO oder einer vergleichbar qualifizierten Stelle, nach einer allgemein anerkannten, bekannt gemachten technischen Regel durchgeführt wurde“. Das heißt in der Praxis, wenn ein regelmäßiger Prüfnachweis von einer bauaufsichtlich notifizierten Stelle wie dem FIW München nach der entsprechenden EN-Norm vorliegt.
Einfacher ist es für den Planer oder Bauunternehmer, wenn er sich ein aktuelles Zertifikat nach einem freiwilligen Zertifizierungsprogramm wie KEYMARK oder das Q-Zeichen vorlegen lässt.
In Einzelfällen kann bei komplizierteren Bauvorhaben auch eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) als Verwendbarkeitsnachweis in Betracht kommen. Das setzt aber meist eine gutachterliche Stellungnahme einer nach Art. 43 BauPVO anerkannten Stelle voraus.

ÜGPU keymark

Zukünftige Angabe des Bemessungswerts der Wärmeleitfähigkeit auf dem Etikett?

Nach den EN-Normen für Wärmedämmstoffe gibt der Hersteller nur den Nennwert der Wärmeleitfähigkeit, λD – Wert auf dem Etikett an. Für die Umrechnung in einen Bemessungswert für wärmeschutztechnische Nachweise ist der Planer, Bauunternehmer oder Bauherr zuständig. Er muss die oben in der Tabelle stehenden Zuschläge zu den Nennwerten der Wärmeleitfähigkeit addieren.
Der Planer, Bauunternehmer oder Bauherr muss das bei seinen Ausschreibungen in Deutschland ebenfalls berücksichtigen. Der Vollständigkeit halber wird darauf hingewiesen, dass in anderen EU-Ländern unterschiedliche Regelungen zum Bemessungswert vorliegen.

Stand 11.04.2017
Wolfgang Albrecht, Obmann des NA 56-92 Ausschuss